ADHS

ADHS hat vielfältige Ursachen

Nach derzeitigem Stand wirken neurobiologische und psychosoziale Faktoren zusammen, wenn es zu einer Erkrankung kommt. Wie die Krankheit weiter verläuft, ist außerdem abhängig vom sozialen Umfeld der Betroffenen, von ihrer Familie und der Schule.

Genetische und neurobiologische Faktoren:

Zahlreiche Studien belegen mittlerweile, dass eine erbliche Disposition, also eine familiäre Veranlagung, eine Rolle für die Entstehung von ADHS spielt. So zeigen Zwillingsstudien, dass eineiige Zwillinge deutlich häufiger daran erkranken als zweieiige. Außerdem kommt ADHS in manchen Familien gehäuft vor: Geschwister sind drei- bis fünfmal öfter betroffen als Nicht-Geschwister. Ob eine ADHS tatsächlich ausbricht, hängt jedoch von zusätzlichen Faktoren ab.

Als neurobiologische Ursache für die Entstehung gilt eine Veränderung der neuronalen Signalverarbeitung im Körper. Dem Gehirn fehlt eine ausreichende Menge des Botenstoffs Dopamin, der den Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen für koordinierte Bewegung, emotionale Steuerung und zielgerichtete Aufmerksamkeit regelt. Dadurch fällt es erkrankten Kindern sehr schwer, alltägliche Reize zu verarbeiten oder wichtige und unwichtige Wahrnehmungen voneinander zu unterscheiden. ADHS-Patienten haben außerdem eine verminderte Fähigkeit zur Selbststeuerung: Es bereitet ihnen Probleme, ihren Bewegungsdrang, ihre Gefühle und ihre Aufmerksamkeit zu kontrollieren.

Psychosoziale Faktoren:

Psychosoziale Faktoren verstärken das Risiko zusätzlich, an ADHS zu erkranken. So gilt die Emotionale Deprivation, also fehlende „Nestwärme“ oder die emotionale Vernachlässigung von Kindern durch ihre Eltern als eine Ursache für die Störung. Außerdem kann ein kontrollierender, zwanghafter und inkonsequenter Erziehungsstil die ADHS-Symptome steigern. Weitere familiäre oder andere zwischenmenschliche Probleme, wie häufige Kritik und Kränkungen, geringe Erfolgserlebnisse oder traumatische Erlebnisse in der Kindheit, begünstigen die Entstehung.

Weitere Risikofaktoren:

Experten diskutieren darüber, dass folgende Faktoren das ADHS-Risiko zusätzlich erhöhen können:

  • Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen
  • Zu niedriges Geburtsgewicht
  • Mütterlicher Alkohol- und Tabakkonsum während der Schwangerschaft
  • Infektionen
  • Kontakt mit dem Schadstoff Blei

Thapar A, Holmes J, Poulton K et al.: Genetic basis of attention deficit and hyperactivity. Br J Psychiatry 1999; 174:105-111