Demenz

„Was können wir tun?“

Nach der Diagnose „Alzheimer Demenz“ stellt sich schnell die Frage „Was können wir tun?“
Diese und viele andere Fragen wird der Arzt mit Ihnen in einem persönlichen Gespräch klären.

Ein wichtiger Teil dieses Gespräches ist das Aufzeigen von Behandlungsmöglichkeiten. Es gibt bis heute zwar kein Medikament und keine nichtmedikamentöse Therapieoption, die die Krankheit heilen und den Verlauf stoppen kann, aber sie können mit einem konsequenten Behandlungsplan den Krankheitsfortschritt verlangsamen und dem Betroffenen Lebensqualität schenken.

Kombinierte Therapiemöglichkeiten

Man kombiniert heute die medikamentöse Therapie mit psychosozialen Maßnahmen um dem Patienten so lange wie möglich seine Alltagskompetenz zu bewahren und die Angehörigen zu entlasten.

Da hier im Gegensatz zu anderen Erkrankungen, keine Heilung möglich ist, sind die Behandlungsziele aufs „Bewahren“ ausgelegt:

  • Noch vorhandene geistige Ressourcen aufrechterhalten
  • Alltagskompetenz fördern, z.B. Toilettengang, Einnahme von Mahlzeiten
  • Verhaltensstörungen lindern
  • Sozialen Rückzug verhindern

Medikamentöse Therapie

Zur Behandlung der Alzheimer Demenz stehen in Deutschland die sogenannten Antidementiva zur Verfügung. Ein wichtiger Angriffspunkt für Antidementiva sind die Botenstoffe Acetylcholin und Glutamat. Im leichten bis mittelschweren Stadium setzt man Acetylcholinesteraseinhibitoren ein, die dem Mangel an Acetylcholin entgegenwirken sollen, im moderaten bis schweren Stadium setzt man einen NMDA-Antagonisten ein, der die Effekte des Glutamats reguliert.

Acetylcholinesteraseinhibitoren:

Acetylcholinesteraseinhibitoren blockieren Enzyme, welche für den Abbau des Acetylcholins im Gehirn zuständig ist. Dadurch steigt die Konzentration und die Informationsübertragung wird (vorübergehend) verbessert. Studien zeigen, dass bei einer frühzeitigen Therapie mit Acetylcholinesteraseinhibitoren, die Krankheit um 1-2 Jahre verzögert werden kann und die Alltagskompetenz länger erhalten bleibt.

Es stehen drei verschiedene Substanzen zur Verfügung:

  • Donepezil
  • Rivastigmin
  • Galantamin

Für welche Substanz sich der Arzt entscheidet, hängt in der Regel vom Neben- und Wechselwirkungsprofil des Patienten ab (bitte geben Sie ihm Auskunft, welche Medikamente noch eingenommen werden!).

Wichtig ist eine regelmäßige Einnahme, die richtige Dosis (Wirkung der Acetylcholinesteraseinhibitoren ist dosisabhängig) und eine mindestens halbjährliche Therapiekontrolle! 

NMDA-Antagonist:

Der NMDA-Antagonist Memantin reguliert die Glutamatkonzentration und verhindert so eine zu starke Nervenerregung, die sich negativ auf die einzelnen Nervenzellen auswirkt. Man setzt Memantin zur Behandlung der moderaten bis schweren Alzheimer Demenz ein.
Hier zeigt sich eine Stabilisierung des Status Quo für ca. 6 Monate.

Begleitmedikation:

Alzheimer Demenz wird häufig von anderen psychischen Erkrankungen begleitet. Die Betroffenen zeigen Angstsymptome, eine ausgeprägte Antriebsminderung, aber auch in etwa 80 % der Fälle eine starke Verhaltensstörung. Diese Verhaltensstörungen zeigen sich vor allem durch Aggressionen, Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Für Angehörige ist es schwer damit umzugehen, auf einmal beschimpft und verleumdet zu werden - schwerer als die Pflege des Betroffenen.
Bitte sprechen Sie den behandelnden Arzt auf die Persönlichkeitsveränderungen an.
Es stehen Antidepressiva und Neuroleptika zur Behandlung dieser Symptome zur Verfügung.

Nichtmedikamentöse Therapie

Nichtmedikamentöse Therapieverfahren können in Kombination mit einer antidementiven Therapie das alltägliche Leben des Patienten erleichtern. Es gibt verschiedene Möglichkeiten das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit zu fördern und die noch vorhandenen kognitiven Fähigkeiten zu aktivieren.
Wichtig ist, dass die jeweilige Therapieform an das Erkrankungsstadium angepasst wird. Eine Überforderung kann sich verheerend auswirken und der Nutzen ist verloren.
Auch eine aktive Teilnahme der Angehörigen ist unumgänglich. Im Krankheitsverlauf wird die Beziehung zwischen Betroffenen und Angehörigen immer intensiver und eine würdevolle, liebevolle und stabile Beziehung erleichtert das Miteinander.

Zu den nichtmedikamentösen Therapieoptionen gehören z. B.:

  • Verhaltenstherapie: hilft die noch vorhandenen Fähigkeiten wahrzunehmen und die Leistungseinbußen zu akzeptieren
  • Ergotherapie: trainiert die Alltagsfähigkeiten, Selbstständigkeit kann länger erhalten bleiben und somit die Pflegebedürftigkeit hinausgezögert werden
  • Musik- und Kunsttherapie: erleben von Gefühlen durch künstlerische Gestaltung, Erhaltung der Emotionalität
  • Kognitives Training: Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstraining im engen Bezug zu Alltagssituationen
  • Milieutherapie: Strukturierung des Tagesablaufs und anregende Gestaltung der Umgebung zur Förderung des Wohlbefindens und der Alltagskompetenz