Epilepsie

Oberstes Ziel einer Epilepsie-Behandlung ist die Anfallsfreiheit!

Nach der Diagnose „Epilepsie“ stellt sich als erstes die Frage „was kann ich dagegen tun?“. Es stehen heute verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die der behandelnde Neurologe je nach Anfallsart und Anfallshäufigkeit individuell auf den Betroffenen abstimmt.

Wichtig ist ein frühzeitiger Beginn, um einen größtmöglichen Therapieerfolg zu erreichen und Folgeerscheinungen zu vermeiden, sowie eine konsequente Durchführung der Therapie.

Für alle Betroffenen ist, neben der individuellen Therapie,  eine gesunde Lebensführung ein wichtiger Teil der Behandlung. Dazu gehört vor allem ein regelmäßiger und ausreichender Schlaf, ein geregelter Tagesablauf und die Vermeidung aller Provokationsfaktoren, die einen Anfall auslösen können.

Medikamentöse Therapie

Zur Behandlung der Epilepsie werden am häufigsten sogenannte Antiepiletika bzw. Antikonvulsiva eingesetzt. Es stehen heute viele verschiedene Substanzen zur Verfügung aus denen der Neurologe, abhängig von der Epilepsieform, Anfallsart und den individuellen Bedürfnissen des Betroffenen, eines auswählt.

Antikonvulsiva können nicht zur ursächlichen Behandlung der Epilepsie eingesetzt werden. Sie reduzieren lediglich die Übererregbarkeit der Nervenzellen, indem sie der unkontrollierten elektrischen Aktivität entgegen wirken und somit die Anfallsbereitschaft reduzieren.

Die Patienten-Compliance, die Bereitschaft bei einer medikamentöse Therapie mitzumachen, spielt bei der Behandlung der Epilepsie eine entscheidende Rolle. Nur eine konsequente Einnahme der Medikation kann zur Anfallsfreiheit führen. 

Der Neurologe wird versuchen ein Medikament zu finden, dass in der Monotherapie eine ausreichende Wirkung hat und zudem für den Patienten verträglich ist.  Es besteht aber auch bei nicht ausreichender Wirkung die Möglichkeit, verschiedene Medikamente zu kombinieren. Die Medikamente müssen über einen bestimmten Zeitraum regelmäßig und konsequent eingenommen werden.

Nach einer bestimmten Behandlungsdauer (meist 2-5 Jahre) kann der Neurologe einen Absetzversuch starten. Dieser darf aber auf gar keinen Fall eigenmächtig geschehen, sondern nur unter strenger ärztlicher Überwachung und ganz langsam. Ist das nicht der Fall, setzt der Patient seine Medikation eigenmächtig ab, kann es auch nach jahrelanger Anfallsfreiheit wieder zu Anfällen kommen. Diese können besonders schwer sein und die Folgeschäden können eine weitere Behandlung erschweren.
Also - kein Absetzen ohne ärztlichen Rat!

Häufig verwendete Antikonvulsiva:

Klassische Antikonvulsiva Moderne Antikonvulsiva
Carbamazepin Levetiracetam
Valproinsäure Lamotrigin
Phenytoin Gabapentin
Phenobarbital Topiramat
  Oxcarbazepin
  Pregabalin

Nichtmedikamentöse Therapieverfahren

Für Betroffene, die mit einer medikamentösen Therapie keine Anfallsfreiheit erreichen können, gibt es noch die Möglichkeit eines chirurgischen Eingriffes und der Vagus-Nerv-Stimulation.

Chirurgischer Eingriff
Ein chirurgischer Eingriff kann bei Patienten, bei denen die Epilepsie nur auf bestimmte Hirnareale begrenzt ist und eine medikamentöse Behandlung nicht angeschlagen hat, einen Heilungserfolg erzielen.

Dies ist jedoch eine sehr komplexe Methode und eine Abklärung bezüglich der individuell abhängigen Erfolgschancen mit dem behandelnden Arzt ist unumgänglich.

Vagus-Nerv-Stimulation
Bei dieser Methode wird ein Vagus-Nerv-Stimulator (vergleichbar mit einem Herzschrittmacher) im Schulterbereich implantiert. Dieser sendet elektrische Signale an den Vagus Nerv, die zu einer veränderten Aktivität der Nervenzellen im Gehirn führen. Die Folge ist eine 20-40 % ige Reduktion der epileptischen Anfälle. 

In den seltensten Fällen führt diese Methode zu einer völligen Anfallsfreiheit, dennoch können Patienten vielfach ihre Medikation reduzieren und gewinnen durch weniger Anfälle  mehr Lebensqualität.