Schizophrenie

Eine Schizophrenie ist gut behandelbar, aber leider nicht immer heilbar.

Ziel ist es, dem Patienten ein symptomfreies, weitgehend selbstständiges Leben zu ermöglichen.

Dafür wird ein individueller Gesamtbehandlungsplan erstellt, in den der Betroffene, Angehörige  und weitere am Behandlungsprozess Beteiligte  eingeschlossen werden.

Dieses Konzept setzt sich aus einer medikamentösen Therapie, Psycho- und Soziotherapie zusammen. Es ist wichtig, dass der Betroffene selbst daran teilnehmen möchte und von seinen Angehörigen unterstützt wird.

Häufig wird die Therapie stationär begonnen, um den Patienten medikamentös richtig einzustellen, die damit verbundenen Nebenwirkungen zu beobachten und die richtigen Begleittherapien zu finden. Ist der Patient suizidgefährdet, ist die stationäre Aufnahme auch eine Schutzmaßnahme für ihn selbst. Zeigt der Patient eine Krankheitseinsicht, kann er entlassen und ambulant weiterbetreut werden.

Therapieziele (nach S3-Leitlinie Schizophrenie) sind z. B.:

  • Etablierung einer therapeutischen Beziehung
  • Aufklärung über Krankheits- und Behandlungskonzepte
  • Beseitigung oder Verminderung der Krankheitssymptome
  • Verhinderung der Selbst- und Fremdgefährdung
  • Einbeziehung von Angehörigen und Bezugspersonen
  • Verminderung sozialer Folgen
  • Förderung von Krankheitseinsicht und Compliance
  • Früherkennung möglicher Rückfälle
  • Verbesserung der Lebensqualität
Medikamentöse Therapie

Medikamente, die bei einer Schizophrenie eingesetzt werden, heißen Antipsychotika bzw. Neuroleptika. Diese normalisieren das gestörte Gleichgewicht zwischen den Botenstoffen (v. a. des Dopamins) in bestimmten Gehirnregionen und verbessern  vor allem psychotische Positivsymptome wie z. B. Stimmenhören, verworrene Gedanken und krankhafte Wahrnehmungen.

Es gibt viele verschiedene Neuroleptika, so dass es einige Zeit dauern kann, bis eine optimale Therapie für den Betroffenen gefunden ist, da jeder Patient auf die verschiedenen Medikamente unterschiedlich reagiert.

Meist werden heute die sogenannten atypischen Neuroleptika (Atypika) eingesetzt. Sie weisen im Gegensatz zu den „typischen“, konventionellen Neuroleptika weniger Nebenwirkungen auf die Körpermotorik auf und haben eine Wirkung auf die Negativsymptomatik.

Atypische Neuroleptika Konventionelle Neuroleptika
Amisulprid Chlorprothixen
Aripiprazol Flupentixol
Clozapin Fluspirilen
Olanzapin Haloperidol
Quetiapin Levomepromazin
Risperidon Promethazin
Ziprasidon Melperon
  Sulpirid
  Tiaprid

Wie alle anderen Medikamente haben auch Neuroleptika Nebenwirkungen. Sie sind häufig kurz nach Therapiebeginn am schlimmsten und bessern sich im Laufe von 1-2 Wochen. Sie sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und in der Regel von der Höhe der Dosis abhängig. Wichtig ist, den Arzt umfassend darüber zu informieren, damit er eventuell die Dosis anpassen, das Neuroleptikum wechseln oder zusätzliche Medikamente verschreiben kann, welche die Nebenwirkungen verringern oder sogar beseitigen.

Die Hauptnebenwirkungen lassen sich in 4 Gruppen einteilen:

  1. Bewegungsstörungen: z. B. Ruhelosigkeit, Zittern (vor allem bei konventionellen Neuroleptika)
  2. Körperliche Nebenwirkungen: z. B. Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Schwindel, Verstopfung, Hautausschlag
  3. Auswirkungen auf die Lebensweise: sexuelle Probleme, Benommenheit
  4. Blut-Labor-Werte: z. B. Blutbildveränderungen (unbedingt mit dem Arzt abklären!)

Die antipsychotische Therapie dauert in der Regel über mehrere Jahre und wird häufig von einer Rezidivprophylaxe „abgelöst“. 
Die Therapie darf niemals vom Patienten alleine beendet werden. Jede Änderung ist eng mit dem behandelnden Arzt abzustimmen, denn eine regelmäßige Einnahme hilft Rückfällen vorzubeugen!
Eine vertrauensvolle Patienten-Arzt- Beziehung  ist somit ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Therapie der Schizophrenie.

Erkennen Sie als Angehöriger, dass der Patient nicht compliant ist, d. h. er nimmt seine Medikation nicht vorschriftsgemäß ein, informieren Sie bitte den behandelnden Arzt darüber. Es stehen heute einige Präparate in Depotform zur Verfügung, die eventuell eine adäquate Alternative bieten und die medikamentöse Therapie gewährleisten.

Depotpräparate werden in bestimmten Abständen beim Arzt - meist intramuskulär - injiziert. Durch eine spezielle Rezeptur bildet sich im Muskelgewebe ein Depot aus dem langsam eine bestimmte Menge Wirkstoff an den Organismus abgegeben wird. Der Patient erhält auf diese Weise gesichert seine Medikation und reduziert durch die bessere Therapiekontrolle das Rückfallrisiko.

Nichtmedikamentöse Therapie

Ein Hauptbestandteil der nichtmedikamentösen Therapie besteht darin, den Betroffenen und deren Familien während der Erkrankung zu unterstützen und ihnen zu helfen, wieder ein möglichst normales Leben zu führen.

Für den Patienten stehen verschiedene Psycho- und Soziotherapieformen zur Verfügung.
Psychotherapien sollen bei der Verarbeitung der Erkrankung unterstützen und dabei helfen sich selbst zu finden, die Wirklichkeit zu erkennen und zu bewältigen. Erkennt der Patient seine Krankheit an, erhöht das nachweislich die Compliance und eine Rückkehr ins „normale“ Leben ist möglich.
Soziotherapien, z. B. Beschäftigungstherapie oder Berufsförderungsprogramme, helfen zu einem strukturierten Tagesablauf, erleichtern bzw. ermöglichen erst einen eventuellen Berufseinstieg und zielen somit darauf ab, einen sozialen Abstieg zu vermeiden.

Welche Art von Therapie am besten hilft, ist von Patient zu Patient verschieden, hängt von der jeweiligen Krankheitsphase ab und wird individuell mit dem Arzt/Therapeuten besprochen.

Bei dieser Erkrankung spielt die Einbeziehung der Familie eine große Rolle. Zum einen sind sie durch die Erkrankung des geliebten Menschen erschüttert, so dass sie selbst fachliche Unterstützung brauchen. Zum anderen müssen sie lernen mit dem Erkrankten umzugehen.
Hilfe findet man meist in Angehörigengruppen, die z. B. von vielen psychiatrischen Kliniken angeboten werden. Psychologen, Sozialpädagogen, aber auch Ärzte helfen den Angehörigen verständnisvoller und gelassener mit der Erkrankung umzugehen und damit einen wertvollen Beitrag zur Genesung des Patienten zu leisten.

Eins stabiles soziales Netz hilft – neben einer medikamentösen Therapie - einem Rückfall vorzubeugen!