Parkinson

Parkinson ist bis heute leider nicht heil-, aber gut behandelbar.

Mit einer adäquaten Therapie kann man den Krankheitsverlauf verzögern und so dem Betroffenen  so lange wie möglich seine Selbstständigkeit erhalten und damit Lebensqualität schenken.

Es gibt verschiedene Medikamente und unterstützende nichtmedikamentöse Verfahren, die heute zur Behandlung eingesetzt werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie empfiehlt die Therapie zu beginnen, wenn:

  • Beeinträchtigungen im Beruf oder den wesentlichen Aktivitäten des täglichen Lebens führt
  • soziale Einschränkungen eingetreten sind oder
  • eine Minderung der Lebensqualität spürbar ist

Es ist wichtig, dass Patient und Arzt vor Therapiebeginn persönliche Therapieziele festlegen, das können zum Beispiel sein:

  • Erhalt der Berufsfähigkeit
  • Symptomverbesserung
  • Erhalt der Selbstständigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens
  • Vermeidung von Medikamenten-Nebenwirkungen durch späteren Therapiebeginn
  • etc.

 

Der Arzt leitet daraufhin eine individuelle Therapie ein.

Medikamentöse Therapie

Der Arzt und der Patient haben vor Beginn der Therapie persönliche Therapieziele festgelegt. Dies ist eine wichtige Grundlage für die Auswahl der Medikation. Daneben berücksichtigt der Arzt auch noch das Alter des Patienten, das Krankheitsstadium und das Beschwerdebild.

Es stehen verschiedene Medikamente mit unterschiedlichen Wirk- und Nebenwirkungsprofilen zur Verfügung, die ganz gezielt vom Arzt eingesetzt werden können.

Dopaminagonisten

Es gibt heute in Deutschland verschiedene Dopaminagonisten auf dem Markt. Sie ähneln in ihrer chemischen Struktur dem Dopamin und stimulieren im Körper die Dopamin-Rezeptoren.
Sie werden heute meist zu Beginn als Mono-Therapie eingesetzt, im weiteren Verlauf der Erkrankung häufig in Kombination mit L-Dopa um dessen Dosis so gering wie möglich halten zu können.
Man unterscheidet zwischen den heute kaum noch eingesetzten Ergot-Substanzen (Bromocriptin, Lisurid, alpha-Dihydroergocriptin, Pergolid und Cabergolin) und den gängigeren Nicht-Ergot-Substanzen (Piribedil, Rotigotin, Ropinirol und Pramipexol). Sie unterscheiden sich in ihrer Wirkdauer, ihrem Wirkeintritt und ganz entscheidend auch in ihrem Nebenwirkungsprofil.

Bei den Ergot-Substanzen ist es zum Beispiel wichtig, vor Beginn der Therapie eine gründliche Untersuchung beim Kardiologen zu haben, um mögliche Herzschädigungen auszuschließen.
Auch während der Behandlung ist eine regelmäßige halbjährliche Kontrolle dringend erforderlich, um mögliche Komplikationen rechtzeitig zu erkennen.

Bei den Non-Ergot-Substanzen ist es wichtig zu wissen, dass es zu einer extremen Tagesmüdigkeit kommen kann, die dazu führt, dass man z. B. nicht mehr Autofahren oder Maschinen bedienen kann. Für Berufstätige ist dies ein wichtiger Punkt.

Ihr Arzt hat durch die Vielfalt der Dopaminagonisten die Möglichkeit, ein für den Patienten am besten verträgliches und wirksames Medikament zu finden.

Levodopa

Levodopa ist das potenteste Medikament zur Behandlung des Parkinson-Syndroms. Es wird in der Mono- und Kombinationstherapie eingesetzt.

Levodopa ist eine Vorstufe des Dopamins. Die Nervenzellen nehmen es auf und können daraus das fehlende Dopamin bilden. Dopamin selber kann man leider nicht geben, da es die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann. Damit das Levodopa auch seinen „Zielort“- die Nervenzellen - unbeschadet erreicht und nicht schon vor der Blut-Hirn-Schranke zu Dopamin umgewandelt wird, ist es an so genannte Decarboxylasehemmer gebunden. Diese sind Carbidopa oder Benserazid. Die Kombination mit einem von beiden hilft zudem die Levopa-Dosis zu verringern und damit auch die mit der Gabe verbundenen Nebenwirkungen.

Levodopa ist zu Beginn der Erkrankung sehr gut wirksam, doch im Verlauf können die Symptome wieder auftreten und die Dosis muss möglicherweise erhöht werden.

Leider ist die Therapie mit Levodopa nicht ganz unproblematisch. Als eine wichtige Nebenwirkung sind Dyskinesien (unwillkürliche Bewegungen) zu nennen. Sie lassen sich in der Regel durch eine Verringerung der Levodopa-Dosis bessern, was aber wiederum meist zu einem erneuten Auftreten der Parkinson-Symptome führt. Ein enges Arzt-Patienten-Verhältnis ist hier ungemein wichtig, um die noch wirksame Dosis zu finden, die noch keine Dyskinesien auslöst.

MAO-B-Hemmer

Das von den Nervenzellen freigesetzte Dopamin wird durch das Enzym MAO-B abgebaut. Um die Dopamin-Konzentration im Gehirn zu erhöhen, kann man durch so genannte MAO-B-Hemmer diesen Abbau stören. Sie werden vor allem im frühen Stadium in der Monotherapie eingesetzt um den Behandlungsbeginn einer dopaminergen Therapie zu verzögern.

In Deutschland sind  Selegilin und Rasagilin zugelassen.

COMT-Hemmer

Dopamin und Levodopa wird unter anderem auch durch das Enzym Catechol-O-Methyl-Transferase  abgebaut. Durch die Gabe von so genannten COMT-Hemmern wird dieser Abbau gehemmt. Da sie immer in Kombination mit Levodopa gegeben werden, erhöht sich die Verfügbarkeit von Levodopa am Wirkort und somit die Dopaminkonzentration. Entacapon und Tolcapon sind in Deutschland zur Behandlung zugelassen.

Es gibt noch weitere Medikamente, die zur Behandlung eingesetzt werden - falls Sie Betroffener oder Angehöriger sind, sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über eventuelle Behandlungsmöglichkeiten.

Da die Therapie leider von vielen Nebenwirkungen geprägt ist, stellt sich die Frage wann man mit der Therapie beginnen soll und mit welchem Wirkstoff. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hat folgende Empfehlungen erarbeitet:

Für Patienten unter 70 Jahre ohne schwere Begleiterkrankungen:

  • Beginn mit einem Dopamin-Agonisten (Therapie der ersten Wahl) als Monotherapie
  • Bei sehr milden Ausprägungen Beginn mit einem MAO-B-Hemmer oder Amantadin als Monotherapie
  • wenn die Wirkung nicht mehr ausreicht, zusätzliche Gabe von Levodopa in möglichst geringer Dosis

Für Patienten über 70 Jahre oder für Patienten mit schweren Begleiterkrankungen:

Beginn mit Levodopa mit möglichst geringer Dosis

    Nichtmedikamentöse Therapie

    Die nichtmedikamentöse Therapie ist ein sehr wichtiger Bestandteil in der Behandlung des Parkinson-Syndroms. Im Verlauf der Erkrankung leiden vor allem das Bewegungsverhalten und die Sprachfähigkeit des Betroffenen, die durch Physiotherapie und Logopädie länger erhalten werden können.

    Physiotherapie

    Die Physiotherapie ermöglicht durch gezielte Übungen Fehlhaltungen des Körpers zu vermeiden, die zu einer zusätzlichen Bewegungseinschränkung führen können, und wirkt sich zudem positiv auf die gesamte Beweglichkeit aus. Ein erfahrener Physiotherapeut wird zusammen mit dem Patienten ein Programm entwickeln, dass er zum Teil auch täglich alleine zu Hause durchführen kann. Die Erfahrung zeigt, dass regelmäßige Bewegung den Krankheitsprozess „entschleunigen“ kann.

    Der Betroffene sollte versuchen, so lange wie möglich in Bewegung zu bleiben und auch neben der gezielten Physiotherapie Sport zu treiben - gerade Nordic Walking bietet sich an, um den Behandlungsprozess zu unterstützen.

    Logopädie

    Eine leise, verwaschene Sprache gehört zu den ersten Symptomen einer Parkinson-Erkrankung.
    Hier setzt die Logopädie ein. Mit gezielten Übungen werden die Muskeln des Stimmvolumens und die Atemtechnik trainiert. Auch hier gibt es spezielle Übungen, die der Betroffene zu Hause durchführen kann und somit länger am aktiven, sozialen Leben teilhaben kann.

    Es gibt noch viele verschiedene nichtmedikamentöse Therapieverfahren, die der Arzt individuell mit dem Betroffenen besprechen kann. Es ist wichtig, dass der Betroffene etwas tut - zum einen um so lange wie möglich beweglich zu bleiben, aber zum anderen auch, damit er sich nicht einfach aus dem sozialen Leben zurückziehen kann. Die Aufrechterhaltung der sozialen Kontakte stellt ebenfalls ein wichtiges Standbein in der Therapie dar.